Ökologischer Jagdverband e.V.
Ökologischer Jagdverband e.V.

Pressemitteilung Wissen 04.11.2020

Halbherzigkeit hilft dem Wald nicht

Der Regierungsentwurf zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes bleibt hinter den Notwendigkeiten zurück

In den fast 45 Jahren seit der letzten Novelle des Bundesjagdgesetzes (BJG) hat sich viel Reformbedarf aufgestaut. Diesen Stau aufzulösen und das Jagdwesen zu modernisieren verspricht der Koalitionsvertrag der die Bundesregierung tragenden Koalitionsparteien.

 

Der jetzt im Kabinett verabschiedete Novellierungsentwurf erfüllt dieses Versprechen allenfalls in einigen Punkten.

 

Zu begrüßen ist die Vereinheitlichung und Modernisierung der Jägerausbildung und Jägerprüfung, wenn sie nicht zu einer unnötigen Aufblähung des Lernstoffes führt. Auch die Zulassung von Nachtzieltechnik und Infrarotaufhellern bei der Bejagung des Schwarzwildes, ein Schritt der unter dem Eindruck drohender Seuchenzüge der Afrikanischen Schweinepest nötig und möglich geworden ist, bringt endlich Klarheit und Rechtssicherheit auf einem unübersichtlich gewordenen Gebiet. 

 

Bei der eigentlichen Zukunftsaufgabe der Jagd aber versagt der Reformentwurf.

 

Der Bundesgesetzgeber scheut sich, bei der Wald-Wild-Frage die klare Aussage zu treffen, dass der Schutz und die Entwicklung unserer Waldökosysteme eindeutigen Vorrang vor jagdlichen Partikularinteressen haben muss. Es geht nicht, wie Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei der Vorstellung des Entwurfs wieder einmal sagte, um eine „Gleichberechtigung“ von Wald und Wild, womit ja nur eine Gleichberechtigung von forstlich-waldökologischen und jagdlichen Interessen gemeint sein kann, weil sonst die Aussage überhaupt keinen Sinn ergibt.

 

Im neuen BJG soll festgeschrieben werden, dass die Hege die Verjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen soll. Das geht immerhin über erste Entwürfe hinaus, in denen nur von „Naturverjüngung“ die Rede war, was Pflanzung und Saat ausgeschlossen hätte. Wenn die Verjüngung aber nicht gelingt, hat das keinerlei Konsequenzen, die Ministerin betonte zudem mehrfach, dass Zäune aus Fördermitteln subventioniert werden sollen.

 

Richtig ist auch die Abschaffung der behördlichen Abschussplanung bei Rehwild. Den Handelnden vor Ort, also Grundeigentümern und Jagdpächtern, soll mehr Eigenverantwortung übertragen werden. Sie sollen einen „Abschusskorridor“ zwischen einem Mindest- und einem Höchstabschuss vereinbaren, und das „soll“ auf Grundlage eines Vegetationsgutachtens geschehen, das auch Aussagen zum Lebensraum des Rehwildes enthalten „soll“. Auf das Lebensraumgutachten könne aber auch verzichtet werden, wenn beide Vertragspartner das wollen. 

 

„Diese wirklichkeitsfremde Idee, eingepackt in windelweiche Gesetzesformulierungen mit der Wiedereinführung einer restriktiven Deckelung, wird nur in Einzelfällen zu konsequent walddienlichem Jagen führen“, fasst Elisabeth Emmert, Vorsitzende des Ökologischen Jagdverbandes (ÖJV) diesen völlig missglückten Versuch zusammen, die Jagd neu zu orientieren und gleichzeitig die Traditionsjäger-Lobby des Deutschen Jagdverbandes (DJV) zu besänftigen. Die Bejagung des Rehwildes ließe sich leicht regeln. Mehr als einen von behördlichen, revierweisen Vegetationsgutachten gestützten Mindestabschuss braucht es nicht, um das Ziel waldfreundlicher Jagd zu erreichen: Vitale Wälder mit angepassten gesunden Wildbeständen. 

Gesunde Wildbestände liefern auch ein gesundes Lebensmittel, wenn es nicht mit den Resten von Bleigeschossen kontaminiert ist.

Praxis und Wissenschaft zeigen längst, dass ein sofortiges Verbot von Büchsengeschossen, die elementares Blei enthalten, ohne Einbußen bei Tötungswirkung und Sicherheit möglich wäre. Es ist deshalb sogar geboten.

 

Aber auch dazu fehlt der Bundesregierung der Mut. Die geplanten Regelungen zur Bleiminimierung sind umständlich und ein ziemlich teures weiteres Zugeständnis an die Traditionalisten. 

Elisabeth Emmert: „Die Chance, dass der Bund auch ohne eigentliche Regelungskompetenz einen fruchtbaren Impuls zur Modernisierung der Jagd in Deutschland gibt, ist mit diesem Novellierungsentwurf vertan.

 

Zuversichtlich stimmt, dass man in vielen Bundesländern bei der Jagdwende schon weiter ist, als der Bund zu gehen bereit ist.“

 

gez.

Elisabeth Emmert

ÖJV-Bundesvorsitzende

Erheblichen Verbesserungsbedarf angemahnt!

Stellungnahme des Ökologischen Jagdverbands (ÖJV) zum Novellierungsvorschlag zum BJagdG des BMEL vom 13. Juli 2020

Der ÖJV sieht zu dem von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vorgelegten Entwurf erheblichen Verbesserungsbedarf.

 

In Zeiten des überdeutlich sichtbaren Klimawandels ist eine konsequent waldfreundliche Jagd notwendiger denn je. Dazu muss es mindestens in zwei wichtigen Bereichen des Gesetzentwurfs substantielle Weiterentwicklungen geben:

 

Das Waldverjüngungsziel muss klar definiert werden.
Grundlage für die Abschussplanung muss unter behördlicher Beteiligung ein Vegetationsgutachten sein.

Die Formulierung in § 1 (2) 3 und 27 (1) („Sie soll insbesondere eine Naturverjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen.“) und § 21 (1) („und die Ermöglichung einer Naturverjüngung im Wald im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen“) ist so unpräzise, dass mit einer  einzigen naturverjüngten Art dem Gesetz genüge getan wäre. Nötig wäre die

„standortgerechte“ Waldverjüngung, die sich immer aus mehreren Arten zusammensetzt.

Chance vertan, substantielle Weiterentwicklungen festzuschreiben  

Eine erste Einschätzung des Novellierungsversuchs zum BJagdG

Insgesamt ist der ÖJV mit dem von Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner vorgelegten Entwurf äußerst unzufrieden. Die Chance wurde vertan, wirklich substantielle und zielführende Weiterentwicklungen festzuschreiben.

Durch das Verschieben der Verantwortung für eine besonders in Zeiten des Klimawandels erforderliche konsequent waldfreundliche Jagd auf die Akteure vor Ort, stiehlt sich der Gesetzgeber aus seiner Verpflichtung für eine, auch im gesamtgesellschaftlichen Interesse liegende, naturnahe Waldentwicklung zu sorgen. Diese ist ohne angepasste Wildbestände nicht möglich, Vegetationsgutachten der Länder und Bundeswaldinventur zeigen die großflächigen Defizite deutlich auf.

Waldwissenschaftler fordern: Waldumbau durch effiziente Bejagung unterstützen

Published June 22, 2020 by Gesche Schifferdecker

Warum wir eine Neufassung des Bundesjagdgesetzes brauchen

 

Ein Gastbeitrag von Christian Ammer, Thomas Knoke und Michael Müller

 

Vor dem Hintergrund der Herausforderungen durch den Klimawandel müssen wir vielgestaltige und anpassungsfähige Wälder aufbauen. Wildeinflüsse können dieses Ziel gefährden. Deswegen hat der wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Februar 2020 ein Eckpunktepapier zur Waldstrategie 2050 veröffentlicht. In diesem wird benannt, welche Regelungen bei der Reform des Bundesjagdgesetzes geändert werden müssten, um den drängenden Aufgaben nachkommen zu können. Wir stimmen der Analyse und den Empfehlungen des wissenschaftlichen Beirats aus waldwissenschaftlicher Sicht im Wesentlichen zu und fordern die Politik auf, die Empfehlungen ihres Beirats zu berücksichtigen.

Deutsche Jagdkultur – Immaterielles Kulturerbe?

Stellungnahme des Ökologischen Jagdverbands (ÖJV)

Der Deutsche Jagdverband (DJV), der Bayerische Jagdverband (BJV) und der Bundesverband Deutscher Berufsjäger (BDB) möchten „Jagdkultur und Jagdwesen in Deutschland“ in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufnehmen lassen. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat den Antrag der Verbände nun erneut zurück gestellt und eine Überarbeitung in den Punkten Tierethik, Waldpflege und Verhältnisse der Verbände untereinander empfohlen. Im Herbst soll dann eine neue Begutachtung des Antrags stattfinden (JAWINA.DE 14.5.20).

 

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Download Stellungnahme des Ökologischen Jagdverbandes ÖJV
200624UNESCO_StellungnahmeÖJV_Deutsche J[...]
PDF-Dokument [243.7 KB]

Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirates Waldpolitik (WBW) im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)

Februar 2020

 

Eine zukunftsweisende Zusammenstellung, in der wesentliche Schwachpunkte des derzeitigen Systems genannt und Lösungen angerissen sind.

Die Jagd wird auf S. 40-43 kurz und bündig abgehandelt.

Zur Lektüre unbedingt empfohlen!

Elisabeth Emmert
ÖJV-Bundesvorsitzende

Download Eckpunkte der Waldstrategie 2050
Eckpunkte der Waldstrategie 2050 - Wiiss[...]
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Download Flyer HUNTING FOR FUTURE
Flyer_Hunting4future_final.pdf
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