Ökologischer Jagdverband e.V.
Ökologischer Jagdverband e.V.

Pressemeldung des Ökologischen Jagdverbands Deutschland

Wissen, 19. Oktober 2018

Effektive, tierschutzgerechte Jagd darf nicht an Revieregoismen scheitern

 

Der Ökologische Jagdverband (ÖJV) fordert eine Duldungspflicht für überjagende Hunde bei angemeldeten Bewegungsjagden

 

Nicht nur in Zeiten drohender Wildseuchen wie der Afrikanischen Schweinepest (ASP) ist die Durchführung von gut geplanten Bewegungsjagden ein dringend gebotenes Mittel, um den landeskulturell und ökologisch notwendigen Abschuss unter Minimierung des Jagdrucks zu realisieren. Bewegungsjagden sind besonders dazu geeignet, in kurzer Zeit einen großen Teil des notwendigen Abschusses zu erfüllen. Das reduziert den durch die Jagd entstehenden Stress für die Wildtiere erheblich und gewährleistet Ruhe für das Wild besonders in Zeiten des winterlichen Nahrungseng-passes.

 

In allen Fällen ist bei Bewegungsjagden der Einsatz von Stöberhunden notwendig, um eine effektive Bejagung zu gewährleisten. Erfahrungsgemäß beunruhigen menschliche Treiber das Wild zwar, können v.a. das Schwarzwild aber nicht so in Bewegung bringen, dass der angestrebte konzentrierte Abschuss realisiert werden kann.

 

Beim unerlässlichen Hundeeinsatz kann nicht immer verhindert werden, dass Stöberhunde bei ihrer Arbeit auch die Grenzen des bejagten Bezirkes überschreiten und dort Wild verfolgen. In modernen Landesjagdgesetzen wie in Baden Württemberg, dem Saarland oder Nordrhein-Westfalen ist bereits geregelt, daß dies von den an den Jagdbezirk angrenzenden Jagdausübungsberechtigten an einer begrenzten Zahl der Termine geduldet werden muss, wenn die Jagd vorher angekündigt wurde. Dese Regelung ist sinnvoll und praxisgerecht. Sie ermöglicht zudem eine gemeinsame Jagd vieler Reviere, auch dies erhöht die Effektivität und senkt den Jagddruck.

 

Im Rahmen der Änderung des Tiergesundheitsgesetzes aufgrund der drohenden ASP sollte auch das Bundesjagdgesetz (BJagdG) geändert und zumindest eine Klausel zur Duldung überjagender Hunde aufgenommen werden. Dies scheiterte an der Intervention der Staatsregierung von Bayern. Damit siegen Revieregoismen von Jagdausübungs-berechtigten über eine effektive und tierschutzgerechte Bejagung.

 

Viele mögliche Bewegungsjagden müssen so unterbleiben, da die Verantwortlichen nicht sicherstellen können, dass die Stöberhunde mit Sicherheit im eigenen Jagdbezirk bleiben.

Eines der wichtigsten Instrumente zur Reduzierung überhöhter Schalenwildbestände, insbesondere aber die Eindämmung der vielerorts weit überhöhten Wildschweinbestände, wird so unbrauchbar gemacht.

 

Elisabeth Emmert, Bundesvorsitzende des ÖJV fasst die Forderung des Verbandes zusammen: "Der Ökologische Jagdverband fordert die Gesetzgeber im Bund und in den Ländern auf, für eine Regelung zu sorgen, die eine Bejagung im Sinne der ökologischen, landeskulturellen und seuchenhygienischen Erfordernisse möglich macht und die Rechtssicherheit für den Einsatz von Stöberhunden gewährleistet."

 

181019ÖJVPressemeldungASP.pdf
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Filmkritik Aktuell ...

Auf der Jagd – Wem gehört die Natur?

Ulrich Wotschikowsky

Unter großem Werbeaufwand läuft derzeit im Kino ein Film über die Jagd. Er geht der Frage nach, wem die Natur gehört. Der Publikumserfolg ist erstaunlich, nicht nur bei Jägern.

Jagd fasziniert viele Menschen.

Aus ästhetischer Sicht ist der Film wirklich gelungen. Er vermittelt Naturverbundenheit im besten Sinne, viele Szenen sind von einer inneren Ruhe, die man im heutigen Leben schmerzlich vermisst.

Die meisten Protagonisten, fast ausnahmslos Jäger, kommen sympathisch und authentisch rüber.

 

Also: Der Film nimmt ein.

 

Was aber ist die Botschaft der Regisseurin Alice Agneskirchner?

 

Den Wildtieren, gemeint sind die jagdbaren, geht es schlecht in Deutschland. Sie werden auf Schritt und Tritt verfolgt. Es werden ihrer immer weniger. Naturferne Bürokraten und eine wildfeindliche Forstverwaltung entscheiden, wie viele jedes Jahr geschossen werden müssen.

Zu viele. Früher, als die Jäger noch das Sagen hatten, war es besser bestellt um die Natur und ihre tierischen Bewohner. Hätte ich keine Ahnung von den jagdlichen Verhältnissen in unserem Land, dann wäre das der Eindruck gewesen, den ich aus dem Kino mitgenommen hätte.

 

Auf der Jagd – Wem gehört die Natur?

Kommentar zum Film von Alice Agneskirchner

Wolfgang Kornder

 

Um es gleich auf den Punkt zu bringen:

 

Der Film geht einseitig vom Wild und von einer bestimmten Art der Jagd aus und berücksichtigt den Lebensraum wildlebender Tiere nicht oder nicht angemessen.

Dass der Wald seine Gemeinwohlfunktionen wie Wasserspeicherung und –reinigung, Sauerstofferzeugung, Stabilisierung des Klimas grundsätzlich und auch des regionalen Klimas im Speziellen, Erholungsraum für Menschen zu sein, Schutzfunktionen vor Muren oder Lawinen und Produktion des wertvollen und gesellschaftlich begehrten Rohstoffes Holz zu erfüllen hat, wird nicht gesehen.

 

Und es wird schlichtweg negiert, dass der Wald durch den Klimawandel vielfältigen Belastungen und Bedrohungen ausgesetzt ist. In dem Film geht es um anderes, um große Säugetiere, über weite Strecken um das Schalenwild, dem man völlig unkritisch Vorrang vor seinem Lebensraum, dem Wald, einräumt.

 

Dass ein Zuviel an Schalenwild wie Reh, Rotwild oder Gams gewaltige Schäden verursachen kann, wird zwar in Nebensätzen erkannt, aber es werden keine Konsequenzen daraus gezogen. Gerade im Bergwald sind es die im Film genannten Schalenwildarten, die die Verjüngung behindern oder unmöglich machen.

 

Dass der Schutzwald dann mit Steuergeldern unter enormen technischen Aufwand zum Schutz von Siedlungen und der Infrastruktur und zum Schutze der Menschen, die im Bergwald leben oder Erholung suchen, entwickelt werden muss, spielt für die Protagonisten des Filmes keine Rolle.

Aufgabe der Jagd ist es, die Verjüngung und den Aufbau unserer Wälder zu fördern, wie hier im Bergmischwald mit Buche und Tanne. (Foto (c) W. Hockenjos) Aufgabe der Jagd ist es, die Verjüngung und den Aufbau unserer Wälder zu fördern, wie hier im Bergmischwald mit Buche und Tanne. (Foto (c) W. Hockenjos)

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