Exkursionen von NABU und ÖJV im Jahr der Wälder zeigen Kiefernwälder bei Hagenow und Laubwald bei Neubrandenburg

Auf Anregung unserer Partner vom Naturschutzbund NABU M-V, mit dem uns eine gegenseitige Mitgliedschaft verbindet, wurden an 2 Samstagen im Oktober geführte Wanderungen zum Thema Forstwirtschaft, Naturschutz sowie„Wald und Wild" angeboten. Zielgruppe war in erster Linie die interessierte Öffentlichkeit und die NABU-Basis, die im Internationalen Jahr der Wälder über das Thema informiert werden sollte.

Am 1. Oktober ging es unter Führung von Landesforst-Revierleiter Matthias Fiedelmann, seinem Vorgänger Herbert Fuchs und ÖJV-Geschäftsführer Falk Jagszent in munitionsbelastete Kiefernwälder im Eigentum der Landesforstanstalt im Forstamt Radelübbe, bei denen die eingeschränkten waldbaulichen Handlungsmöglichkeiten aufgrund der armen Standortsverhältnisse und der Munitionsbelastung ebenso thematisiert wurden wie die „ewige Wald-Wild-Frage" und die Integration von Heidepflege in die Arbeit eines Forstamtes. An mehreren Stellen wurde deutlich, dass Kiefern-Naturverjüngung auch unter Altholzschirm initiiert und sogar ein ansehnlicher Anteil von Laubholz-Mischung erzielt werden kann, wenn der Standort bzw. die Humusform für die Kiefer geeignet ist und waldbauliches Vermögen und Geduld mit einem Wildbestand einher gehen, der dies ermöglicht. Insgesamt eine runde Veranstaltung bei bestem Wetter, bei der über 20 Naturfreunde in 2,5 Stunden mit diesen Fragen in Berührung gebracht wurden. Unser Dank geht insbesondere an Herbert Fuchs und Matthias Fiedelmann für Ihre Zeit an einem Samstag.

Eine Woche später besuchten wir - aufgrund hoher Veranstaltungskonkurrenz allerdings etwas nur mit etwa der Hälfte der Teilnehmerzahl - den Privatwald von ÖJV-Fördermitglied Klaus Lehmbecker in der Nähe von Burg Stargard. Der forstliche Betreuer Holger Weinauge stellte die forstlichen und jagdlichen Eigenschaften und Probleme des Betriebes vor. Der Betrieb besteht aus drei getrennten Waldteilen von 90, 65 und 55 ha, so dass nur auf einer Fläche die Jagd selbst ausgeübt werden kann (was zudem sogar erst gerichtlich erstritten werden musste!) und es in den anderen Teilen Konflikte mit den Pächtern (u.a. gerichtlich durchgesetzte Bewegungsjagden auf Rehwild) gibt. Nach den Schilderungen herrschen im Winter teilweise tierparkähnliche Wildverhältnisse mit nachgewiesenen 90 Stück Rehwild (= 1 / ha!) vor, die entsprechenden Schaden an der Naturverjüngung hervorrufen. Die Drückjagden liefern bei minimaler Beunruhigung entsprechend sagenhafte Ergebnisse, die unserer Einschätzung nach jedoch nicht zu einer Einregulierung des Bestandes führen können. Waldbesitzer und Förster versuchen, durch ein flächiges Angebot von Äsung und flächiger Einleitung von Naturverjüngung das Problem zu lindern. Zudem werden - waldbaulich interessant und ungewöhnlich - aktiv Eiben und je nach Standort auch Vogelkirschen als Beimischung in die Verjüngung eingebracht, die durch Zaun geschützt werden müssen. Konsequent naturgemäße Waldwirtschaft wird jedoch mit diesen Wildverhältnissen mittelfristig nicht möglich sein.
ÖJV und NABU bedanken sich bei Klaus Lehmbecker und Holger Weinauge für die interessante Exkursion, die mehr Teilnehmer gerade aus Jäger- und Försterkreisen verdient gehabt hätte, und werden sie bei Ihren Bemühungen weiter aktiv unterstützen.

Falk Jagszent

Hagenow: 2.v.l. M. Fiedelmann, 1.v.r. Herbert Fuchs, 2.v.r. Falk Jagszent bei der Diskussion von Heidepflegearbeiten 

Burg Stargard: Förster Holger Weinauge (1.v.l.) erläutert im Wald von Klaus Lehmbecker die Vegetationsunterschiede im Zaun und außerhalb