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Rehverbiss gefährdet notwendigen Umbau auf klimastabile Wälder

NABU und ÖJV fordern tief greifende Änderungen bei der Rehjagd

Stuttgart - Der Wildverbiss ist in den letzten drei Jahren erneut deutlich angestiegen. In 81% der Jagdreviere leidet die Eiche unter mittlerem und starkem Verbiss. Bei der Tanne ist die Verbissbelastung in 75% der Reviere unakzeptabel. Das hat die Landesforstverwaltung am heutigen Freitag (30.3.) in ihrem „Forstlichen Gutachten 2007" festgestellt. Nach Jahren der Entspannung hat sich der Negativtrend aus dem Jahr 2004 weiter fortgesetzt. In Fichtenkulturen beigemischte Laubbäume und Tannen sind in vielen Revieren angesichts des hohen Verbissdrucks nicht überlebensfähig. Fichten- Monokulturen sind die unerwünschte Folge.
„Eine natürliche Baumartenvielfalt ist Voraussetzung für den Aufbau zukunftsfähiger, stabiler Wälder, insbesondere in Zeiten des Klimawandels. Andauernder Wildverbiss gefährdet die nachhaltige naturnahe Waldwirtschaft", erklären der NABU-Wildtierexperte Michael Hug und der Vorsitzende des Ökologischen Jagdvereins Baden-Württemberg Prof. Rainer Wagelaar. NABU und ÖJV fordern deshalb tief greifende Änderungen und neue Strategien in der Jagdpraxis, um ökologische, aber auch schwerwiegende wirtschaftliche Schäden zu verhindern.

Damit die Jäger ihrer Verpflichtung nachkommen können, die Rehbestände auf eine für den Wald verträgliche Anzahl zu beschränken, stellen NABU und ÖJV vier Kernforderungen auf:
1. Verbot der Fütterung: Die Regelung, dass Wild von Dezember bis Ende März gefüttert werden darf, hat nicht dazu beigetragen den Wildverbiss in erträglichen Grenzen zu halten. Sie wirkt eher kontraproduktiv. Es ist paradox, dass Rehe bei frühlingshaften Temperaturen gefüttert werden dürfen.

2. Verlängerung der Jagdzeit auf Rehböcke bis 31. Januar: Anders als weibliche Rehe und Kitze dürfen Rehböcke nur bis zum15. Oktober gejagt werden. „Dafür gibt es nur einen Grund: Nur im Sommer tragen die Böcke ein Gehörn und sind dann für Trophäen-Jäger interessant", erklärt Hug. Schädlich an dieser Regelung ist, dass günstige Chancen ein weibliches Reh zu erlegen, nur deshalb nicht genutzt werden, weil das Geschlecht nicht sicher erkannt wird. Das kommt bei den besonders effizienten Drückjagden oft vor, weil sich Böcke und Geißen während der Hauptjagdzeit im November und Dezember nur von hinten sicher unterscheiden lassen, ergänzt Wagelaar. Dann ist die beste Chance vorbei.

3. Effiziente Jagdmethoden: Aufgrund massiver Proteste der Landwirte und teuren Rechnungen, die Jäger bei Schwarzwildschäden im Feld zu bezahlen haben, hat sich die revierübergreifende Drückjagd auf Sauen bewährt und dazu beigetragen, den Bestand im Griff zu behalten und Schäden abzuwehren. Aber noch immer scheuen sich viele Jagdpächter bei diesen effizienten und insgesamt störungsarmen Jagden auch Rehe frei zu geben. „Ein grundsätzliches Umdenken und auch Umlernen ist bei vielen Jägern erforderlich. Die drastisch verbesserten Lebensraumverhältnisse für Rehe in großen und deckungsreichen Verjüngungen bei gleichzeitig intensiver Freizeitnutzung unserer Wälder erfordern völlig andere Jagdtechniken", so Wagelaar.

4. Erfolgsorientierte Jagd statt starrer Pacht: Anstelle der bisherigen Praxis im kommunalen Wald, Reviere für neun Jahre an Jagdpächter aus der Hand zu geben, und die Rehjagd über nicht kontrollierbare Abschussplanzahlen zu regeln, sollten klare Zielvorgaben über die angestrebte Waldverjüngung festgelegt und durchgesetzt werden. Zur Bewirtschaftung der Jagd in Eigenregie gibt es viele erfolgreiche Modelle. „Die Gemeinden und Kleinwaldbesitzer hätten damit in der Hand, wie in ihren Wäldern gejagt wird und könnten auch die Interessen der öffentlichen Hand viel besser vertreten", so Hug und Wagelaar.

Rückfragen an

    -Michael Hug (NABU), Telefon: 07223/9486-12
    -Prof. Rainer Wagelaar (ÖJV), Telefon: 07472/951-236

Siehe auch:

BaWü - Forstliches Gutachten 2007
Landesjägermeister Deuschles Ausflüchte

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weitere Informationen

PRESSEDIENST NABU und ÖJV BaWü
NABU und ÖJV fordern tief greifende Änderungen bei der Rehjagd


Traunstein: Neuer Wald auf armen Böden
Bericht zu Waldbegang


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