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Jagdstreckenentwicklung M-V 2008/2009 - Das sagt der ÖJV

02.08.09
Wie nebenstehender Pressemeldung zu entnehmen ist, wiederholt sich Jahr für Jahr dasselbe Spiel: Man dankt den Jägern für die höchstens ansatzweise Lösung von Problemen, die sie selbst produziert haben.
Das Schalenwildvorkommen, und damit auch die möglichen Jagdstrecken, befinden sich in Mecklenburg-Vorpommern nach wie vor insgesamt auf einem geradezu irrwitzigen Niveau, das bei den Wiederkäuern eine naturnahe Waldbewirtschaftung flächendeckend so gut wie ausschließt und zunehmend zumindest lokal auch in der Landwirtschaft für erhebliche Schäden und Spannungen sorgt - in der letzten ÖKOJAGD berichteten wir über sich verzweifelt gegen Rotwild einzäunende Landwirte in Ostvorpommern.
Rotwild ist nach wie vor stabil auf hohem Niveau vorhanden. Leider gibt es dabei nur 2 Varianten: Entweder fehlt es ganz, oder es wird den Segnungen der Hege(gemeinschaften) unterzogen. Wo Rotwild vorkommt (immerhin sind im Land ein gutes Dutzend „Schwerpunktgebiete" lokalisiert), ist es zahlenmäßig in zu hohen Beständen vorhanden und richtet entsprechende Schäden an.
Beim Damwild sind in der Tat in einigen Schwerpunktgebieten Bestandesrückgänge zu verzeichnen, das Niveau ist jedoch noch weit von toleranten Dichten entfernt. An anderen Stellen wird sogar eine andere Politik betrieben, und allen Beteuerungen zum Trotz wird von den lokalen Hegern immer wieder versucht, noch bestehende Verbreitungslücken zu schließen.
Erstaunlich ist der Sprung beim Rehwild - hier wird man abwarten müssen, was dahinter steckt. Es wäre ein positives Zeichen, sollten hier Anzeichen einer zumindest intensivierten Bejagung zu erkennen sein. Aber alleine die schiere Zahl von über 60.000 Stück Rehwild nur in einem Bundesland wie Mecklenburg-Vorpommern zeigt die Dimensionen, von denen gesprochen wird. Diese Strecke wird zum überwiegenden Teil ansitzend und verbreitet auch noch mit hohen Selektionshürden erbracht - die Auswahl ist also immer noch groß genug.

Leider fehlt in den Jagdstreckenberichten immer noch die für Erfolg und Akzeptanz einer modernen Jagd notwendige Rückkoppelung zu den Auswirkungen der Wildbestände auf die Lebensräume. Und hier wird die Bilanz bitter: Flächige Wildschäden in Feld und Wald sind an der Tagesordnung, weit weg von den Vorgaben der Jagd- und Waldgesetze, Wildschäden zu minimieren. Und im Grunde Ihres Herzens interessiert dies die Jäger auch nicht wirklich, zumindest so lange sie nicht selbst Grundbesitzer sind. Und auch unter letzteren sind leider viele, die das Eigentum nach der Wende nur aus jagdlichen Gründen erworben haben und es entsprechend behandeln.

Absurd wird es, wenn sich Politik und Jäger beim Thema Schwarzwild auf die Schultern klopfen. Die immer weiter steigenden Strecken sind keine Folge der „intensiven Anstrengungen" der Jäger, sie spiegeln vielmehr die völlig aus dem Ruder gelaufene Bestandesentwicklung wider, auf die die Jäger in großen Teilen immer noch keine adäquate Antwort gefunden haben. Viele haben nicht einmal die Zeichen der Zeit erkannt und sitzen weiter an der überbeschickten Kirrung, verweigern sich revierübergreifenden Jagden und wenden sinnlose Abschussrestriktionen (z.B. Gewichtsbegrenzungen) an. Wenn immer mehr da ist, kann auch mit dem gleichen Aufwand und den gleichen Methoden mehr geschossen werden - logisch. Mehr steckt nicht dahinter, und das ist auch das Geheimnis, warum kaum jemand unter den Jägern ernsthaft möchte, dass die Schalenwildbestände reduziert werden - nur so macht es Spaß! Wer möchte schon 10 Mal zur Jagd fahren und sich nichts außer Eichen-Naturverjüngung angucken......?

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Entwicklung der Wildbretpreise. Die Wildhändler bieten inzwischen Preise (z.B. 55 ct/Kilo oder weniger für Schwarzwild, Rehwild unter 3 €/kg), für die der Jäger ernsthaft mit dem Gedanken spielen muss, selbst Wurst herzustellen und im Freundeskreis zu verschenken oder selbst in die Hundefutterproduktion einzusteigen, um das Angebot zu verknappen. Teilweise sicherlich eine Folge der Streckenentwicklung insbesondere beim Schwarzwild, für die sich nicht parallel ein Absatzmarkt entwickelt. Doch auch der Handel muss sich fragen lassen, ob Fehler gemacht werden: Oder haben Sie als Endverbraucher im Restaurant oder im Supermarkt schon etwas davon gemerkt, dass Wild eigentlich billiger sein müsste als Schweinefleisch? Mit den immer noch elitären Endverbraucherpreisen wird man keine Absatzankurbelung erreichen.

Bemerkenswert sind noch zwei weitere Abschussstatistiken, die aber in der Pressemitteilung nicht weiter erwähnt werden: Da ist zum einen der Marderhund, der von 23.000 auf 17.000 eingebrochen ist. Sollte er seinen Gipfelpunkt allen Unkenrufen zum Trotz bereits erreicht haben? Oder gibt es andere Gründe für diesen Streckeneinbruch? Vielleicht erfordert ja das Schwarzwild so viel Aufmerksamkeit, dass der Ansitz nicht für einen Schuss auf den Marderhund quasi abgebrochen wird? Das nächste Jahr wird zeigen, ob ein Trend zu erkennen ist.
Zum anderen die Waldschnepfe: Sagenhafte 23 Exemplare sind zur Strecke gekommen. Nun wird niemand behaupten, diese Zahl sei artgefährdend, viel eher liegt die Frage nahe: Was soll die Jagdzeit überhaupt? Den Bemühungen, den Jäger als Naturschützer zu etablieren, wird hiermit ein Bärendienst erwiesen. Leider hat es die Waldschnepfe auch wieder in die missratene Neufassung der Jagdzeitenverordnung M-V geschafft (die ÖKOJAGD berichtete ausführlich).

Also: Zwei interessante Ausreißer (Rehwild und Marderhund), ansonsten alles beim Alten: Schalenwild auf astronomischem Grundniveau, die Waldschäden leider auch.
Und der grundsätzliche Wille, daran etwas zu ändern, ist nur vereinzelt zu erkennen.

ÖJV Mecklenburg-Vorpommern, Der Vorstand

Pressemitteilung

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