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2007: Neuer Vorstand in Hessen
Das Wetter auf dem Hoherodskopf war heiter. Ein wohltuender Kontrast zur Krisenstimmung, in der die meisten Mitglieder zur Jahreshauptversammlung in den Vogelsberg gekommen waren.
Rainer Löser, Vorsitzender des hessischen ÖJV seit 2003, hatte im Vorfeld angekündigt, nicht wieder für den Vorsitz zu kandidieren. Zudem wollte er die Versammlung darüber befinden lassen, ob der ÖJV Hessen „mangels Mitgliederinteresse" einem Nachbarverband angegliedert oder ganz aufgelöst werden solle.
Vorausgegangen waren zahlreiche Veranstaltungen, die wenig Zuspruch der Mitglieder erfahren hatten. Von geführten Wanderungen im Nationalpark Edersee bis zu Schießkino-Terminen im zentral gelegenen Mittelhessen - das Echo war häufig schwach.
Es war schmerzhaft klar geworden, dass ein kleiner Verband, dessen Mitglieder breit über das Land verstreut wohnen, kein „Vereinsleben" auf die Beine stellen kann, wie man das von lokalen Jagdvereinen kennt. Lange Wege zu den jeweiligen Veranstaltungen waren für die meisten Mitglieder ein stetes Hindernis. Viele sind zudem bei örtlichen Jagdvereinen und Naturschutzprojekten aktiv. Sie investieren ihre Freizeit vorzugsweise dort. So beschränkt sich für die meisten das ÖJV-Engagement auf das Lesen der ÖKOJAGD. Soweit die nüchterne Bestandsaufnahme auf dem Hoherodskopf.
Für einen eigenständigen Verband
Die Diskussion der Mitglieder zeigte rasch, dass alle die Eigenständigkeit des ÖJV Hessen für ein hohes Gut halten. Aktivitäten, die in den letzten Jahren keinen Mitgliederzuspruch hatten, sollten eben gar nicht mehr angeboten werden. Wichtig sei der Fortbestand einer „kritischen Stimme" in der jagd- und naturschutzpolitischen Diskussion in Hessen.
Der entsprechende Beschluss wurde dann einstimmig gefasst.
Zum neuen Vorsitzenden wurde Gerd Bauer (Wiesbaden), zum stellvertretenden Vorsitzenden Uwe Neun (Grävenwiesbach) gewählt. Die Geschäftsführung übernahm Friedhelm Steinhoff (Taunusstein), die Kassenführung blieb in den Händen von Uwe Neun. Weiterhin im neuen Vorstand: Rainer Löser (Mücke), Uwe Prihoda (Schotten), Axel Rockel (Schotten) und Petra Walter (Hann.-Münden).
Der neugewählte Vorstand hat natürlich kein Patentrezept für die Strukturprobleme im Rucksack. Er wird kein weitgefächertes „Event-Programm" mehr anbieten, sondern vor allem Aktivitäten aufgreifen, die aus den Reihen der Mitglieder kommen. Er sieht seine Funktion in erster Linie als öffentliche Stimme für eine ökologisch orientierte Jagd.
Jagd muss sich legitimieren
Die Föderalismusreform gibt den Bundesländern weit mehr Eigenständigkeit bei der Regelung der Jagd als bisher. In Hessen lebt der Landesjagdverband bekanntlich im Konkubinat mit der Regierungspartei. Bislang eine verlässliche Garantie für eine rückwärtsgewandte Jagdpolitik. „Wild vor Wald" ist deren gängige Richtschnur, auch wenn dies offiziell stets bestritten wird. Sonst hätte man ja auch nicht solche Angst davor, sein jägerisches Tun in einer öffentlichen Debatte zu rechtfertigen. Jüngstes Beispiel ist die erstaunliche Tatsache, dass man von der angekündigten Novellierung des BJG wieder abgerückt ist. Die Traditionsverbände und ihre politischen Verbündeten befürchten nämlich, dass bei einer öffentlichen Debatte, „die Jäger zu Gejagten (würden), die sich für ihr Dasein rechtfertigen" müssten (Seehofer).
Doch gerade die Jagd soll, ja muss sich gegenüber der Gesellschaft legitimieren:
als extensive Naturnutzung, die sich in das jeweilige Ökosystem einpasst und den Tierschutz als ethische Grundlage ernst nimmt.
Nur dann hat sie eine Chance, von der nichtjagenden Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert zu werden.
Jagen aus Passion
Die Richtschnur unserer jagdlichen Praxis ist deren Wirkung auf die Kulturlandschaft. Es wäre jedoch ein Missverständnis, den ÖJV Hessen als bewaffneten „Waldpflanzen-Schutzverein" zu sehen, der für eine bessere „Schädlingsbekämpfung" sorgen will.
Wir sind ein Zusammenschluss von Jägern - und die jagen aus Passion.
Das ist das zentrale Motiv unseres Handelns, das wir auch öffentlich vertreten. Alles andere wäre unglaubhaft.
Wir lieben das Waidwerk, weil wir uns beim Jagen als Teil der Natur erfahren. Keine bloßen Betrachter, sondern handelnde Akteure sind.
Diese Passion braucht nicht die wabernden Nebel „deutscher Waidgerechtigkeit", mit denen die Traditionsverbände ihre antiquierten Regeln umhüllen: etwa das unsinnige Jagdverbot für den Rehbock ab Mitte Oktober, das effiziente Bewegungsjagden erschwert.
Gerd Bauer

Vorsitzender Gerd Bauer mit Lieblingskatze

Stellvertr. Vorsitzender und Kassier Uwe Neun

Geschäftsführer Friedhelm Steinhoff
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