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Die Jagd: Funktion und Raum

Dissertation von Klaus Maylein zum Thema Jagd.

Den kulturkritischen Tendenzen zum Trotz ist das Ziel des Autors die strikte Verankerung der Jagd in den Gesellschaftsmodellen des 21. Jahrhunderts. Obwohl die Jagdkritik einen breiten Raum einnimmt, geht es dem Autor gerade um die Etablierung der Jagd als ein weitgehend rationales Element der Naturnutzung. Damit stemmt er sich gegen die überwiegend emotionale oder gar evolutionsbiologische Sicht auf die Jagd, die traditionale Jagdbefürworter wie auch unorthodoxe Jagdgegner aus allen Lagern regelmäßig zum Diskussionsgegenstand machen. Um die Jagddiskussionen von jenen überkommenen Sichtweisen zu lösen und den Blick auf das historische, räumliche und politische Potenzial der Jagd, ihre Rolle und Funktion, zu lenken, wird die gesamte Jagdgeschichte unter dem Blickwinkel des Räumlichen analysiert. Altes und Neues, Barbarisches und Romantisches, Rationales und Irrationales sind stetige Begleiter von Jagd und Jäger.
Kurzfassung
Die Jagd des Menschen auf wilde Tiere wurde historisch betrachtet niemals nur um ihrer selbst willen, weder in Bild noch Prosa, in Mythos oder Realität, zum Motiv erklärt. Was jedoch in Bild und Prosa seinen Niederschlag fand, muss in der Praxis der realen Jagd seine Spuren hinterlassen haben. Diese Spuren zu finden, sie in epochenspezifische Zusammenhänge zu übersetzen ist Sinn und Zweck der vorliegenden Arbeit. Die der Jagd epochenübergreifend inhärenten Potenziale ihrer jeweils möglichen Funktionalisierungen sind es, welche die Geschichte der Jagd schrieben und ihre Zukunft in den Händen halten. Die „Reduktion" auf die Funktion der Jagd ist es auch, die diese Arbeit zu einem Plädoyer für die Jagd auf wilde Tiere in der fortgeschrittenen modernen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts werden lässt. Die Beziehung, die zwischen der Jagd und ihrer Rolle in den jeweiligen Gesellschaftsmodellen vergangener als auch gegenwärtiger Zeiten besteht, ist das eigentlich Interessante an der Jagdgeschichte. Denn dort wird das Potenzial aufgezeigt, welches in der Jagd auf wilde Tiere verborgen liegt. Jede Epoche, jedes gesellschaftliche Modell realisierte neue Möglichkeiten, sich der Jagd und ihrer Potenziale zu bedienen. Dabei erwiesen sich einige gesellschaftliche Strukturen oder Bedingungen als besonders vorteilhaft. Im Altertum und im frühen Mittelalter wurde die Jagd funktionalisiert als symbolisches Mittel zur Darstellung von Ordnungsvorstellungen und weltlicher Hierarchien, wohingegen sie in der frühen Neuzeit als reale, raumkonstituierende Handlung zur Herrschaftssicherung und Herrschaftsdurchsetzung verwendet wurde. In der Mitte des 19. Jahrhunderts, vor dem Hintergrund der allmählichen Industrialisierung und als eine Auswirkung der Revolution von 1848, wurde die Jagd für kurze Zeit ein wesentlicher Bestandteil der Sicherung der landwirtschaftlichen Produktion, indem vielerorts die - enorme Schäden auf den Feldern verursachenden - überhöhten Bestände der großen Schalenwildarten abgeschossen wurden. Die Weichen für solch eine rationale Funktionalisierung der Jagd unter den Prämissen des Land- und Forstbaus wurden in dieser Zeit zwar gestellt, die Funktion jedoch bald wieder verändert. Die neue Schicht der nun bürgerlichen Jagdpächter übernahm viele Werte und Ansichten des Adels, der langsam verschwindenden dominierenden Gesellschaftsschicht. Der Machtzuwachs des Bürgertums bis ins zwanzigste Jahrhundert schlug sich dann auch in einer irrationalen Funktionalisierung der Jagd nieder. Bereits im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und insbesondere seit den 1930er Jahren wurde also die bis dahin rationale Einbindung der Jagd in das jeweilige Gesellschaftsmodell zum ersten Mal seit Jahrhunderten unterbrochen. Dieser Zustand hat sich bis heute, wenn auch mit sich häufenden Durchbrüchen, erhalten. Die aktuell festzustellenden Versuche einer erneuten rational-funktionalen Einbindung der Jagd in die Gesellschaft des „Jahrhunderts der Umwelt", die damit zusammenhängende Rückbesinnung auf frühere Praktiken der Jagd mit dem Ziel der Effizienzsteigerung in der Schalenwildbejagung und die Verortung des Jägers als (Mit-) Verantwortlichen in der aktuellen Auseinandersetzung zwischen Ökonomie und Ökologie, zeigen auf, dass die Jagd, je nach Dosis ihrer Anwendung, entweder höchst schädlich oder aber nützlich und somit zukunftsfähig sein kann.


Die ganze Dissertation im pdf-Format


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