ÖJV
zentrale Box - oben
Menuebox - oben






Tresor Schonert


Menuebox unten

Gefürchteter Parasitenbefall bei Hunden

- Die „Bandwürmer" -

von Dr. Frank G. Wörner

Der Begriff „Parasit" bedeutete ursprünglich im antiken Griechenland einen Vorkoster, der die Speisen der Herrschenden auf Gift hin testen musste. Im Laufe der Geschichte wurde der Ausdruck immer mehr mit einem Negativimage behaftet, und heute werden in der Biologie diejenigen Organismen als Parasiten (oder auch Schmarotzer) bezeichnet, die auf Kosten anderer leben. Diese Lebensweise ist erstaunlich weit verbreitet, und der Parasitismus kann große gesundheitliche Probleme für die Befallenen hervorrufen sowie erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden verursachen. Für die Behandlung der durch Parasiten verursachten Erkrankungen des Hundes muss in jedem Fall der Tierarzt konsultiert werden.

Allgemeine Ökologie der tierischen Parasiten

Parasiten sind bei näherer Beschäftigung mit ihnen eine faszinierende Gruppe von teilweise hoch spezialisierten Organismen aus den verschiedensten Tierstämmen, von den Einzellern bis hin zu den Wirbeltieren. Alle Stämme des Tierreiches haben im Laufe der Evolution parasitäre Formen hervorgebracht, und man schätzt, dass bis zu 20% aller derzeit lebenden Tierarten Parasiten sind.
Parasiten sind (entgegen einer weit verbreiteten Meinung) Organismen, die den gleichen ökologischen Gesetzen wie die freilebenden Tiere und Pflanzen unterworfen sind. Mit bestimmten Parasiten seines Tieres wird praktisch jeder Hundehalter konfrontiert (Schätzungen gehen davon aus, dass in unseren Breiten der Hund von ca. 60 Parasitenarten bedroht ist), und von einigen von ihnen geht eine potentielle Gefahr für die Gesundheit auch des Menschen aus. Die Kenntnis der Biologie, vor allem der Lebenszyklen der Parasiten, ist ein wesentlicher Grundstein für eine evtl. notwendige Bekämpfung, oder besser noch für Präventivmaßnahmen.
Die Parasiten bilden keine morphologisch oder gar taxonomisch homogene Gruppe, da im Laufe der Evolution sich vielfach die parasitäre Lebensweise entwickelt hat. Dennoch können aufgrund der vergleichbaren Lebensbedingungen parasitäre Formen aus völlig verschiedenen Tierklassen ein recht einheitliches Aussehen haben (z.B. in der Ausprägung von Saugnäpfen, Haken u.ä. Vorrichtungen, die ein Ausscheiden der Darmparasiten verhindern), was allerdings als Konvergenzerscheinung gedeutet werden muss und keine Rückschlüsse auf den Verwandtheitsgrad ziehen lässt. Parallel zur Entwicklung dieser Systeme zur Anheftung am oder im Wirt erfolgte die Ausbildung der verschiedensten Typen der Nahrungsaufnahme, aber auch die Anpassung der Verhaltensweisen, um einen spezifischen Wirt zu finden und ihn dauerhaft zu besiedeln. Als Parasiten werden Organismen bezeichnet, die permanent oder zumindest über einen längeren Zeitraum auf (Ektoparasit) oder in (Entoparasit) einem anderen Lebewesen sich aufhalten und dieses in gewissem Umfang schädigen. Die Ektoparasiten befallen also die äußeren Körperregionen bestimmter Tierarten, während die Entoparasiten i.d.R. auf bestimmte Gewebe oder Organe ihrer Wirtstierarten angewiesen sind. Die Mehrzahl der Entoparasiten haben eine stark ausgeprägte Wirtsspezifität, d.h. sie haben eine extrem enge ökologische Nische besetzt. Die Schäden, die ein echter Parasit seinem Wirt zufügt, können vielfältig sein: das Lumen des Darmrohres oder eines Blutgefäßes kann verstopfen, Finnenblasen in Hirn oder Leber bewirken eine Verdrängung oder gar Zertrennung des betreffenden Organs, mechanische Reizung wird durch festhaftende Saugnäpfe oder Haken ausgelöst. Darmparasiten geben Sekrete ab, mit denen sie Verdauungsenzyme des Wirtes unwirksam machen können, und schließlich kann es bei einigen Gruppen zum Verzehr körpereigener Körperbestandteile bzw. körpereigener Nahrungsstoffe des Wirtstieres kommen. Wenn es sich auch bei dem Verhältnis Wirt/Parasit um ein kompliziertes Wechselspiel zwischen zwei Organismen handelt, ist in vielen Fällen der Parasit seinem Wirt gegenüber relativ ungefährlich. Unter normalen Umständen töten Parasiten ihren Wirt nicht, da der Tod des Wirtes für die Parasiten ja auch gleichzeitig Nahrungsentzug und Verlust des Lebensraumes bedeuten würde. Lediglich bei für das Wirtstier ungünstigen Bedingungen wie z.B. Krankheit oder schlechte Ernährungslage kann es so geschwächt werden, dass es dem Parasitenbefall erliegt. Parasitismus, im Laufe der Evolution in den verschiedensten Stämmen des Tierreiches unabhängig und vielfach entstanden, lässt sich in manchen Fällen auf ein ursprüngliches Räuber-Beute-Verhältnis zurückführen, wobei der Parasit es „gelernt" hat, seinen Wirt zum langfristigen Nahrungserwerb zu nutzen und nicht direkt zu töten. Parallel zu den Änderungen im Bauplan der Parasiten sind natürlich auch spezifische, auf das Verhaltensrepertoire des Wirtstieres abgestimmte Verhaltensweisen des Parasiten zu beobachten. Die immer stärker werdende Spezialisierung auf ein Wirtstier, die immer stärkere Einbindung in eine extrem enge ökologische Nische, bringt natürlich auch gravierende Nachteile mit sich; die meisten Parasiten sind so spezialisiert, dass ihnen kaum noch evolutive Möglichkeiten offen stehen: Parasitenzyklen tendieren zur biologischen Isolierung, dies bewirkt wiederum eine morphologische und physiologische Differentierung, und hieraus resultiert das Phänomen der parasitischen Spezifität. Es gibt z.B. keine Parasitengruppe, aus der wieder frei lebende Wesen hervorgegangen sind. Das Wirtstier ist für den Parasiten nicht nur Energiequelle, sondern auch Biotop. Obwohl Parasiten aus allen Stämmen des Tierreiches kommen, haben sie dennoch aufgrund vergleichbarer Lebensweisen und Umweltbedingungen viele gemeinsame Wesenszüge:
    Parasiten sind keine degenerierten, sondern hochspezialisierte Organismen, die an ein bestimmtes Biotop - eben den Wirt - adaptiert sind.
    Gegenüber ihren nichtparasitären Verwandten zeigen sie vielfach Modifikationen, bei Entoparasiten z.B. beginnend zumeist mit der Reduktion der Bewegungsorgane und der Umbildung bereits vorhandener Organe zu Befestigungsorganen (Haken, Saugnäpfe).
    Enorme Steigerung der Fruchtbarkeit, oftmals mit einem Generationswechsel verbunden.

Gefürchtete „Bandwürmer": Die Cestoden

Zu den Cestoden gehören mit die bekanntesten und z.T. auch gefürchtesten Parasiten von Mensch und Tier. Weltweit verbreitet, leben praktisch alle bislang bekannten Arten als Adulte bei fast allen Wirbeltieren parasitierend im Darm. An diese parasitäre Lebensweise sind sie vortrefflich angepasst: sie sind stets Zwitter, und ihnen fehlt ein eigenes Verdauungssystem. Ebenfalls fehlen den Bandwürmern jegliche Sinnesorgane. Ihre Nahrung, der sie umgebende gelöste und angedaute Nahrungsbrei ihres Wirtstieres, nehmen sie über ihre gesamte Körperoberfläche auf. Ein Teil dieser Nahrung wird in Form von Glykogen gespeichert, das sie bei Bedarf dann später anaerob abbauen. Ihren zahlreichen Eiern entschlüpfen Larven mit drei beweglichen Hakenpaaren. Der deutsche Name „Bandwurm" charakterisiert treffend ihr Aussehen: es handelt sich bei den Cestoden um längliche und abgeflachte bänderartige Organismen, die in regelmäßigen Abständen durch Querfurchen Einschnürungen aufweisen. Am Ende des Tieres befinden sich voll ausgebildete und mit befruchteten Eiern prall gefüllte sogenannte „Proglottiden", die praktisch täglich nacheinander abgestoßen werden und im Kot nachweisbar bzw. schon mit bloßem Auge sichtbar sind. Form und Größe dieser Proglottiden, deren Anzahl je nach Art zwischen einigen wenigen bis zu mehr als viertausend schwanken kann, sind artspezifisch und können der genauen Identifizierung der jeweiligen Cestodenart im Labor dienen. Diese Proglottiden werden in einer ungegliederten und fortwährend aktiven Wachstumszone direkt hinter dem mit Haftapparaten versehenen Vorderende (Scolex) des betreffenden Cestoden gebildet und sind zunächst relativ klein; die älteren am Körperende haben dann ein Vielfaches der ursprünglichen Größe, und jedes Glied bildet ein vollständiges und zwittriges Geschlechtssystem. Hiermit wird also parasitentypisch eine enorme Steigerung der Eiproduktion über einen langen Zeitraum erreicht, um so die Chance der Wirtsfindung zu erhöhen. Als Beispiel sei der Rinderbandwurm Taenia saginata erwähnt, der täglich bis zu zehn reife Proglottiden mit je 80.000 schlupfreifen Eiern bildet! Die Cestoden verhindern ein Ausgeschiedenwerden aus dem Wirtsdarm mit zwei verschiedenen Methoden: zum einen mit Hilfe ihres wohl ausgebildeten Hautmuskelschlauches der afterwärts gerichteten Darmperistaltik entgegen (also eine Verhaltensweise), zum anderen sind sie mit dem bereits erwähnten Scolex an der Darmwand festgeheftet. Dieser besitzt bei den meisten Arten besondere Haftorgane in Form von in konzentrischen Reihen stehenden Haken, bzw. zwei bis vier an die Darmschleimhautoberfläche angepassten Sauggruben oder Saugnäpfe. Ein Loslassen wird nur durch den Einsatz starker Medikamente bewirkt. Die Entwicklung fast aller Cestoden verläuft ohne einen Generationswechsel. Aus dem reifen Ei schlüpft eine als Oncosphaere benannte Larve mit drei Hakenpaaren, die nicht von sich aus aktiv einen Zwischenwirt aufsuchen kann, sondern von diesem verschluckt werden muss. Nach Verdauung ihrer äußeren Hülle im Wirtsdarm dringt die Larve durch die Darmwand in verschiedene Gewebe der Leibeshöhle und in gut durchblutete Organe (z.B. Muskeln und Leber) ein, wo sie sich zur sogenannten „Finne" entwickelt. Diese Finne ernährt sich von dem sie umgebenden Gewebe und entnimmt den für ihr Wachstum nötigen Sauerstoff direkt dem Blut ihres Wirtes. Die Finne selbst hat die Form eines kleinen Bläschens („Blasenwurm"), in dem nach innen der zukünftige Scolex einsprosst. Wird der Zwischenwirt vom Endwirt erbeutet und aufgefressen, so wird die Außenhaut der Finne im Wirtsdarm verdaut, wobei der Scolex frei wird und sich ausstülpt und sich mit Haftapparaten, Saugnäpfen oder auch grubenartigen Vertiefungen an den Darmzotten des Wirtes festheftet. Bei einigen Arten (u.a. bei Echinococcus granulosus) kann eine einzelne Blase eine ganze Reihe von Scoleces ausbilden, indem von der relativ großen Wand der Finne Tochterblasen abgeschnürt werden, deren jede einzelne eine Scolex formt. Mit Recht gehört die Echinokokkose, also der Befall des Menschen mit einem der beiden Vertreter der Gattung Echinococcus (E. granulosus und E. multilocularis), also Hunde- und Fuchsbandwurm zu den gefürchtesten vom Tier auf den Menschen übertragenen Infektions- oder Invasionskrankheiten Krankheiten (Zoonosen), und hier ist es vor allem in den letzten Jahren der Fuchsbandwurm gewesen, der überall Schlagzeilen machte und in einer oftmals reißerischen Berichterstattung eine große Öffentlichkeit mehr verunsicherte als informierte.
Der dreigliedrige Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) ist ein zwei bis maximal sieben Millimeter langer kosmopolitischer Parasit im Dünndarm des Hundes (insgesamt können unsere Hunde noch von mindestens sieben weiteren anderen Bandwurmarten befallen werden) und auch des Fuchses und der Katze. Hauptverbreitungsgebiete sind in Europa die Mittelmeerländer. In Deutschland tritt er nicht sehr häufig auf, man schätzt eine Befallsrate von 1% aller Hunde, vor allem in Süddeutschland und in zunehmenden Maße in den neuen Bundesländern. Bei positivem Befund ist der Hund von einer großen Anzahl von Würmern befallen, diese haben sich im Darmepithel mit Hilfe ihrer vier Saugnäpfe und einem Hakenkranz befestigt. Die mit bis zu 300 bereits larvenhaltigen Eiern ausgeschiedene letzte Proglottide kann als kleines weißes Gebilde im Hundekot und in der Umgebung des Afters festgestellt werden. Ansonsten ist ein Echinococcus-Befall beim lebenden Hund nicht leicht festzustellen, da deutliche und typische Krankheitserscheinungen meist fehlen, obwohl leichte Durchfälle, Blutarmut und leichte Apathie beim Hund auf eine Infektion mit E. granulosus hinweisen können. Der Hundebandwurm befällt als Zwischenwirt u.a. einheimisches Schalenwild; an Haustieren kommen Schaf, Ziege, Schwein und Pferd in Betracht, weiterhin kleine Nager wie Mäuse, aber auch leider der Mensch. Die Aufnahme der Eier erfolgt stets oral. Die heranwachsenden Jugendformen sind vor allem in der Leber des Zwischenwirtes (in selten Fällen auch in anderen Organen, wie z.B. Gehirn oder Lunge) zu finden. Die Finnen können im Extremfall mit 20 cm Durchmesser die Größe eines Fußballs erreichen. Der Finnenbefall des Menschen ergibt das klinische Bild der Hydatidosus-Echinokokkose und tritt glücklicherweise sehr selten auf. In vielen Fällen verläuft diese Krankheit völlig symptomlos und für den Erkrankten unbemerkt; sie kann aber bei Befall des Gehirns bei inoperablen Ausnahmefällen für den Patienten tödlich ausgehen. Die Infektion erfolgt beim Menschen beim allzu sorglosen Umgang, Streicheln und Spielen mit infizierten Hunden oder - im Falle von Kindern - auch beim Spiel in mit Hundekot verunreinigten Sandkästen auf öffentlichen Spielplätzen. In den Cysten bilden sich auf ungeschlechtlichem Wege durch Knospung Scoleces, die vom Hund wieder mit der Nahrung aufgenommen werden und nach ca. sechs Wochen zu einem geschlechtsreifen Hundebandwurm herangewachsen sind; sie erreichen im Hund ein Alter von sechs Monaten bis zu zwei Jahren.

Für den Menschen eine der gefährlichsten Krankheiten überhaupt und noch gefährlicher als eine Infektion mit dem Hundebandwurm ist der Befall mit dem Fuchsbandwurm Echinococcus multilocularis, die durch einen maximal vier Millimeter langen und nur 3-5 gliedrigen in vornehmlich Füchsen (in selteneren Fällen auch Hunden und Katzen) parasitierenden Bandwurm ausgelöst wird. Als Zwischenwirte dienen wiederum kleinere Nager (Feld- und Schermaus, Bisamratte), aber auch für den Menschen besteht ein Infektionsrisiko! Der Finnenbefall wird von Medizinern als alveoläre Echinococcose bezeichnet. Dieses Krankheitsbild wurde erst 1855 von dem deutschen Mediziner VIRCHOW als eine durch einen Cestoden verursachte Zoonose erkannt („ ... multiloculäres, ulcerierendes Echinokokkengeschwulst der Leber ..."). Das Verbreitungsgebiet des Fuchsbandwurms ist die nördliche Erdhalbkugel, wobei die Schwerpunkte der Verbreitung in unseren Breiten derzeit in Frankreich, der Schweiz, Österreich und Tschechien liegen. Innerhalb Deutschlands ist eine deutliche und rasche Tendenz zur Ausbreitung von der Schwäbischen Alp nach Norden ausgehend zu erkennen (oder ist dieser winzige Bandwurm in früheren Zeiten oftmals einfach übersehen worden?). Im Gebiet der Mittelgebirge in Hessen und Thüringen, aber auch schon in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind bis zu rund 50% der Füchse befallen. Diese hohen Befallsraten können mit der in den letzten Jahren stark angewachsenen Fuchspopulation zusammenhängen, da bei hohen Wirts-/Fuchsdichten die Parasiten bessere Verbreitungsbedingungen haben. Beim Hund kommt der Fuchsbandwurm eher selten vor, aber - neben Katzen - es kommen dennoch vor allem streunende Hunde und besonders Jagdhunde als Endwirte des Fuchsbandwurms infrage, da sie sich häufiger in befallenen Gebieten aufhalten und dort auch die entsprechenden mit Larven infizierten Nagetiere erbeuten können, die dann im Darm des Beutegreifers zu Bandwürmern heranreifen, und deren Eier mit dem Kot ins Freie gelangen. Der Fuchsbandwurm sitzt mit zwischen den Darmzotten des Dünndarms und hat sich mit Hilfe seiner Haken und Saugnäpfe am Darmepithel befestigt. Feldmäuse und andere Nager werden durch die Eiaufnahme zum eigentlichen Zwischenwirt (der Mensch ist nur Fehlwirt!), in deren Leber eine tumorartig wuchernde Larvenmenge heranwächst. Durch den Befall geschwächt und die angeschwollene Leber in ihrer Beweglichkeit behindert, fallen diese Mäuse natürlich leicht einem Fuchs (oder auch dem Hund, der kein sehr flinker Mäusejäger ist) zum Opfer. Der Mensch infiziert sich mit den Eiern des Fuchsbandwurmes vermutlich u.a. durch den Verzehr von Waldbeeren und rohen Pilzen, die mit befallenen Fuchskot verunreinigt sind. Jäger sind durch den direkten Kontakt mit denen im Fuchsfell befindlichen Eiern beim Entbalgen gefährdet, der Jagdhund beim Verzehr der mit Finnen infizierten Wildtiereingeweide. Da die Eier des Fuchsbandwurmes sehr klein sind, kann eine Infektion durch Einatmen von eierhaltigem Staub nicht immer ausgeschlossen werden. Beim Menschen verläuft diese chronisch-schleichende Form der Echinokokkose nach einem Zeitraum von einigen Monaten bis Jahren unbehandelt oft tödlich. Glücklicherweise ist dennoch ein Infektionsrisiko ziemlich gering, da der menschliche Körper mit einer starken Immunreaktion ein Entwickeln der Larven zu verhindern weiß. Erst bei Defekten im Immunsystem oder bei oft wiederholtem Kontakt mit den Eiern des Fuchsbandwurmes kann es dann zu einer Infektion kommen. Eine gegenseitige Ansteckung von Mensch zu Mensch kann jedenfalls ausgeschlossen werden. Für den Fuchsbandwurm bedeutet der Befall des Menschen als ausgesprochener Fehlwirt eine Sackgasse. Durch rechtzeitige Diagnose (hier kommen vor allem Bestimmung von Antikörpern infrage, in fortgeschritteneren Stadien auch Ultraschalluntersuchungen und Computertomographie) kann man durch Operationen und Chemotherapien das Leben der Patienten retten. Problematisch ist, dass der Patient die Infektion meist erst nach vielen (bis zu zehn) Jahren bemerkt, da zumeist die schmerzunempfindliche Leber befallen ist. Erst wenn große Bereiche der Leber zerstört sind und es hierdurch zu Krankheiten wie Gelbsucht mit entsprechenden Schmerzen kommt, wird der Arzt aufgesucht. Dies ist dann vielleicht zu spät, da in diesem Stadium eine operative Entfernung des krebsartig wuchernden Fuchsbandwurmes nicht mehr möglich ist: die mit dem Ei aufgenommenen Oncosphaeren haben in diesem Stadium in der Leber längst ein wucherndes System von schlauchförmigen Zellen aufgebaut, die bei einem operativen Schnitt - vergleichbar einer Metastasenbildung - freigesetzt und durch Blut oder Lymphflüssigkeit weggeschwemmt werden können, um an anderer Stelle erneut Cysten auszubilden.

Im Vergleich zu den Vertretern der Gattung Echinococcus ist der weltweit vorkommende Gurkenkernbandwurm Dipylidium caninum relativ harmlos, er ist die am häufigsten auftretende Bandwurmart im Dünndarm ungepflegter heimischer Hunde und befällt auch Katzen. Bei Kindern, die sich an den im Hundefell befindlichen Wurmlarven bei zu engem Sozialkontakten oral infizieren, tritt er ebenfalls gelegentlich auf; allerdings geht für den Menschen vom Gurkenkernbandwurm vermutlich keine Gefahr aus. Der Scolex des bis zu einem halben Meter langen ausgewachsenen Wurms ist mit vier Saugnäpfen und Haken bewaffnet. Seinen Namen erhielt er wegen des nach einem Schrumpfungsprozess gurkenkernartigen Aussehens der ca. zehn Millimeter langen Endproglottiden. Diese abgeschiedenen Proglottiden enthalten bis zu 30 Eiballen, in denen sich pro Ballen bis zu einigen Dutzend larvenhaltige Eier befinden und bei dem Schrumpfen der Proglottide auf Reiskorngröße frei werden. Der Gurkenkernbandwurm ist im Gegensatz zu vielen anderen Cestoden nicht an den Fleischverzehr seiner Wirte angepasst, da seine winzig kleine Finne (0,5 mm) im Hundefloh vorkommt. Die erwachsenen Flöhe als Blutsauger nehmen die Eier des Gurkenkernbandwurmes nicht auf, diese werden durch ihre nahe dem Hundelager lebenden Larven gefressen, in denen sie heranreifen. Der Befall des Hundes erfolgt durch sein Knacken und Schlucken der infizierten Flöhe. Schon nach drei Wochen kann D. pylidium im Hundedarm geschlechtsreif sein und während seiner mindestens einjährigen Lebensdauer Eier produzieren. Der befallene Hund verspürt einen starken Juckreiz am After, was ihn zu „Schlittenfahren" veranlasst und woran der Halter leicht die Infektion des Hundes erkennen kann. Weitere Krankheitssymptome beim starken Befall des Hundes sind mit Verdauungsstörungen einhergehende Abmagerung und allgemeine Apathie.

Sehr viel gefährlicher ist der Befall mit dem ebenfalls weltweit vorkommenden Fischbandwurm Diphyllobothrium latum, der erwachsen auch im Dünndarm des Menschen und fischfressender Säugetiere vorkommt. Er erreicht riesige Ausmaße und soll im Extremfall bis zu 15 m lang werden können; im Hundedarm werden Längen von mehr als drei Metern kaum überschritten. Es besteht vermutlich ein Verhältnis zwischen Wurmlänge und Körpergröße des Wirtes bzw. der Dimension des Wirtsdarmes. Typisch ist der Scolex mit zwei engen Sauggruben. Auch erreicht er mit einem Maximalalter von bis zu 30 Jahren einen Rekord innerhalb der Cestoden. D. latum kann in ausgewachsenem Zustand bis über 4.000 Proglottiden ausbilden, beim Menschen wurden Befallsraten bis zu 60 Individuen festgestellt (die dann allerdings „nur" je einen Meter lang waren!). Die mikroskopisch kleinen Eier gelangen mit dem Kot ins Freie; eine Larve entwickelt sich, wenn das Ei ins Wasser gelangt, wobei diese Larve dann einen Kleinkrebs („Hüpferling", Copepode) befällt und dabei in den Nahrungskreislauf von Fischen gerät. In der Fischmuskulatur reift eine infektionsfähige Larve heran, die beim Verzehr von rohem Fisch durch den Mensch (oder beim Verfüttern hiervon an den Hund) sich innerhalb von einem Monat bis sechs Wochen zu einem geschlechtsreifen Fischbandwurm weiterentwickelt, der die den Zyklus schließenden Eier produziert. Ein geringfügiger Befall des Hundes bleibt oftmals wegen des Fehlens ausgeprägter Symptome unbemerkt. Der Nachweis erfolgt über die mikroskopische Untersuchung des Kotes. Die Schädigung des Wirtes - auch des Menschen - beruht weniger auf dem Nahrungsentzug, sondern auf der Wirkung giftiger Exkrete, die den Blutfarbstoff aus den roten Blutkörperchen zerstören und beim Menschen das Krankheitsbild der Bandwurmanämie verursachen. Diejenigen Stadien des Fischbandwurmes, die der Hund ausscheidet, sind für den Menschen nicht infektiös, da der obligatorische Zwischenwirt der bereits erwähnte Kleinkrebs ist. Die auch für den Laien bekanntesten Cestoden wie Rinder- und Schweinebandwurm gehören der artenreichen Gattung Taenia an, von denen einige als Parasiten des Hundes auftreten. Ihr Scolex weist vier Saugnäpfe sowie einen Hakenkranz als Befestigungsorgane auf. Der Hund beherbergt mehrere Arten teilweise auffällig langer Bandwürmer dieser Gattung, die bei starkem Befall zum Darmverschluss führen können. Ihre infektiösen Larvenstadien finden sich zumeist in einem für den Hund typischen Futtertier. Nach durchschnittlich sechswöchiger Reifezeit nach Aufnahme dieser Larvalstadien werden die Würmer geschlechtsreif und beginnen mit der Eiproduktion. Ihre Lebenserwartung liegt bei zwei bis fünf Jahren. - T. pisiformis entwickelt sich als Larve in Kaninchen und Hasen und bedeutet hier natürlich eine Gefahr für insbesondere Jagdhunde. Die im Darm des Zwischenwirtes geschlüpften Oncosphaeren dringen in die venösen Kapillaren in der Darmwand ein und werden über die Pfortvene zur Leber verdriftet, wo sie als Finne bis zur Erbsengröße heranreifen. Der bis zu zwei Metern lange geschlechtsreife Wurm kann eine starke Abmagerung des Hundes verschulden.
- Der „Quesenwurm" T. multiceps erreicht als Adulter im Darm von Hunden eine Länge von einem Meter. Seine Oncosphaere entwickelt sich vornehmlich im Gehirn von Schafen als Zwischenwirt innerhalb von sechs Monaten zu einer hühnereigroßen Finne. An deren Innenwand sprossen (als eine Form der ungeschlechtlichen Vermehrung) zahlreiche Scoleces und verursachen infolge des mechanischen Druckes auf das Gehirn auffällige Zwangsbewegungen. In seltenen Fällen kann auch der Mensch von T. multiceps befallen werden und zeigt dann im fortgeschrittenen Zustand, wie das Schaf, die gleichen Symptome der „Drehkrankheit". - Bei T. serialis geht der Name auf die große Anzahl von Scoleces zurück, die an der inneren Finnenblasenwand in Längsreihen angeordnet sind. In Ausnahmefällen bedroht er auch den Menschen. Bei T. multiceps und T. serialis erfolgt die Infektion des Menschen durch aus den Proglottiden abgestoßenen Eier, die mit winzigen Kotpartikeln im Hundefell hängen. Beim Spielen und unvorsichtigem Hantieren mit dem Hund werden diese durch den Mund aufgenommen.

Parasiten sind keine ägyptische Plage, der wir hilflos ausgeliefert sind, sondern ein Stück natürliche Umwelt von uns und unseren Hunden, mit der wir leben müssen. Die Bedrohung, die von ihnen ausgeht, soll nicht relativiert werden, soll aber auch nicht andererseits zu Panikreaktionen führen. Wer diese Organismen und ihren Entwicklungszyklus kennt, hat den Kampf gegen sie schon fast gewonnen! Aber besser als alle Medikamente ist die Prophylaxe: es soll keinem Hundebesitzer die Freude am Umgang mit seinem Tier genommen werden, und beim normalen sozialen Umgang mit dem Hund drohen dem Menschen keine Gefahren, wenn der Hund regelmäßig aufmerksam beobachtet und die elementaren Spielregeln der Hygiene beachtet werden. Dies gilt natürlich insbesondere für Kleinkinder, für die tatsächlich von ihrem geliebten vierbeinigen Freund (so er parasitär infiziert ist) erhebliche gesundheitliche Risiken und Bedrohungen ausgehen können. Man sollte aber nie vergessen, dass die Menschheit bei ihrem jahrtausendealtem engsten Kontakt zu der sie begleitenden Art Canis lupus f. familiaris trotz mancher Krankheitsfälle nicht an Parasiten ausgestorben ist.

Überarbeiteter Auszug aus:
Frank G. WÖRNER
Wichtige Parasiten des Hundes:
Zoologische Notizen
über wenig bekannte Lebensgemeinschaften
Ges.f.Haustierforsch. Sonderausgabe 1: 1-31 (1999)

Dr. Frank G. Wörner
Gefürchteter Parasitenbefall bei Hunden

- Die „Bandwürmer" -

Wiesengrundstrasse 20
D-57580 Gebhardshain
Tel. 02727/7686

zentrale Box - unten
Fusszeile - oben
Ökologischer Jagdverband e.V.
Imbergweg 2
88289 Waldburg
0700 - Telefon
fon 07529 91053
fax 07529 91054

Fusszeile - unten